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Corona: Weihnachten fällt wohl aus

Bereits im Frühjahr waren sch die Virologen einig: Nicht die Vorsicht der Leute wird einen halbwegs sicheren Sommer bescheren, sondern das warme Wetter, die Dürre und der Wind. Schon vor einem halben Jahr wurde gewarnt, dass wir im Herbst und Winter eine wesentlich schlimmere zweite Welle erleben werden. Wenig überraschend bestätigt sich das nun. Doch wie sehen die Zahlen derzeit aus?

Aktuelle Corona-Zahlen in Deutschland

Seit dem dritten November befindet sich Deutschland im Lockdown. Wobei die aktuelle Lage diesen Begriff kaum verdient. Büros, Einzelhandel, Großhandel, Schulen, Flughäfen, Bahnhöfe und Vieles mehr haben weiterhin geöffnet. Durch Berlin ziehen fast wöchentlich tausende Demonstranten ohne Maske, welche weder aufgehalten noch belangt werden und illegale Parties werden manchmal aufgelöst, aber viel mehr passiert auch nicht. Das Ergebnis ist, dass die Zahlen in der vergangenen Woche recht stabil bleiben. Ein wirklicher Rückgang der Neuinfektionen ist nicht zu verzeichnen. Den aufbereiteten RKI-Daten kann man aber entnehmen, dass es regional große Unterschiede gibt. So schwankt die 7-Tage-Inzidenz je nach Landkreis zwischen sechs und 533. Ähnlich stark schwanken die Veränderungen dieses Wertes zur Vorwoche. Die Schere zwischen den am höchsten und am niedrigsten infizierten Landkreisen und Orten weitet sich. 

Was tun andere Staaten?

Vietnam meldete die erste Infektion seit 89 Tagen. Nach einem positiven Test brach ein Flugbegleiter die Isolierung und sorgte so für weitere Infektionen. Bis dahin war das Land mit seiner Strategie sehr gut gefahren. Nun wird über weitere Verschärfungen der Regeln für Einreisende nachgedacht. 

Island hatte bereis im Januar, vor seinem ersten Fall, einen Notfallplan aufgestellt. Aufgrund der kleinen Bevölkerung und der guten Vorbereitung war es hier möglich, alle Fälle nachzuvollziehen und die Infizierten auch regelmäßig zu untersuchen und zu befragen. Somit konnte man dort sehr gut nachvollziehen, wie sich die Pandemie im Land ausgebreitet hat. Bisher verzeichnete Island 14 Corona-Fälle. Durch die genauen Untersuchungen fand man heraus, dass rund die Hälfte der Infektionen asymptomatisch verlief. Die häufigsten Zeichen waren nicht Fieber, sondern Husten und Muskelschmerzen. 

In Luxemburg und anderen Ländern wird das Abwasser auf Erreger getestet. So kann man gut erkennen in welche Gebieten sich die Lage verbessert oder verschlechtert.

Was tun wir?

In Deutschland finden derzeit 20% weniger Coronatests statt, als noch vor vier Wochen. Die Zahl der positiv getesteten liegt bei rund 9%. Die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation ist jedoch, die Zahl der Tests so lange zu erhöhen, bis die Zahl der positiv getesteten Personen bei 5% liegt. Der Wert verändert sich trotz der fünf Wochen Lockdown light nicht wesentlich. Das kann man als positive oder negative Entwicklung sehen. Und bisher hält das deutsche Gesundheitssystem den Belastungen stand. Auch das sorgt für vorsichtige Erleichterung. Die Aussicht auf einen Impfstoff lässt jedoch zu viele Menschen zu unvorsichtig werden. Noch gibt es in Deutschland keine zugelassenen Impfstoffe. Und selbst dann – ein Impfstoff heisst noch nicht, dass man geimpft ist und die Impfung bringt keine sofortige Immunisierung. Der Prozess zieht sich. Während in Russland bereits mit dem Impfstoff Sputnik V geimpft wird, muss in Deutschland noch geprüft werden. Die russischen Wissenschaftler waren dabei nicht schneller, man hat sich lediglich dazu entschieden zu impfen, bevor die in Deutschland nötigen Tests durchgeführt wurden. 

In Deutschland sind vor allem die modernen mRNA Impfstoffe von Biontech und Moderna im Gespräch. Diese zeigen sich bei den Tests als verträglich und hochwirksam, müssen aber stark gekühlt werden. Daher können sie in der Form nicht bei jedem Hausarzt verabreicht werden. Die Zulassung des Biontech-Impfstoffes wird aller Voraussicht nach nicht vor dem 29.12.2020 erfolgen. Vermutlich stehen dann sieben Millionen Dosen davon für Deutschland zur verfügung. Durch die permanente Produktion soll dieser aber so schnell geliefert werden können, wie Impfungen durchgeführt werden. Doch auch dann dauert es. Man benötigt zwei Impfungen, die drei bis vier Wochen auseinander liegen müssen. Anschließend dauert es weitere zwei Wochen, bis man Immun ist. 

Weihnachten bei Oma und Opa?

Kann man also guten Gewissens Weihnachten im Kreise der Familie feiern, die sich außerhalb des eigenes Haushaltes befindet? Wohl kaum. Derzeit sind wir auf dem vorläufigen Höhepunkt der größten Pandemie unserer Lebenszeit. Es gibt keine Impfstoffe und der Aufenthalt mit Fremden, also Personen eines anderen Haushaltes, in einem geschlossenen Raum stellt die größte Gefahr bei der Verbreitung der Infektionen dar. Dem Virus ist egal, was der Kalender zeigt. Er verbreitet sich weiter. 

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