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Der Wunsch nach Krieg

Irakische Flagge neben der Flagge einer pro-iranischen Miliz

Tagelang steigert sich das Säbelrasseln auf iranischer und US-amerikanischer Seite nun schon. Die USA schickten zwei B52 Bomber aus den USA bis vor die iranische Küste und haben die Patriot Flugabwehr im Irak aufgebaut. Im Iran soll die S300-Flugabwehr seit heute aktiv sein.

Vor fast einem Jahr, am 03. Januar 2020, ist der iranische Offizier Qasem Soleimani in Baghdad durch die USA getötet worden. Er führte die pro-iranischen Milizen auf der ganzen Welt. An seinem Todestag werden Anschläge auf US-Einrichtungen erwartet, welche der Funke sein könnten, der dieses Pulverfass erneut zur Explosion bringt. In weiten Teilen des Irak sind die Amerikaner verhasst. Bei einigen, weil sie den geliebten Diktator Saddam Hussein gestürzt haben, bei anderen, weil sie viele getötete Zivilisten zu verantworten haben. 

Seit dem Tod Saddams ist der Einfluss des Irans im Irak gewachsen. Auf allen Ebene der Politik sitzen vom Iran geführte oder beeinflusste Leute. Rund ein Drittel des irakischen Militärs und der irakischen Polizei stehen indirekt unter ihrer Kontrolle. In die Millionenstadt Mossul kommt man ohne Erlaubnis der vom Iran geführten Milizen nicht mehr rein.

In der Autonomen Region Kurdistan im Norden des Irak sieht man das anders. Die Amerikaner kamen und gingen. Mal halfen sie, mal ließen sie einen wieder fallen. Aber ihre Hilfe hatte oft großen Einfluss. Durch den Tod von Saddam und den Zusammenbruch seiner Diktatur konnte die Region aufblühen. Heute gibt es in allen großen Städten Freizeitparks, Shoppingmalls, moderne Hotels und schnelles Internet – Prosperität.

Am Rande eines Treffens mit hochrangigen kurdischen Politikern und Militärs erklärt mir einer der Teilnehmer: „Ich hoffe auf Krieg. Also zwischen den USA und dem Iran. Die USA sollen die ganze Führungsriege ausschalten und alle drum herum. Das Volk dort ist bereit für etwas Neues. Und wenn es da Krieg gibt, ist der Iran von uns abgelenkt. Unsere Regionalregierung kann mit der Zentralregierung in Bagdad nicht mehr verhandeln, ohne dass der Iran zustimmt. Wir könnten auch direkt nach Teheran fahren und es dort klären. Langsam gehen uns die Optionen aus“.

Aber was wäre dann mit den Irakern? „Die haben ihr Land nie in den Griff bekommen. Sie hatten so viele Möglichkeiten. In Deutschland ist damals auch ein Diktator durch die USA gestürzt worden. In dein Land ist viel Geld geflossen und euch wurde auch eine Demokratie aufgezwungen. Aber ihr wart anders. Ihr habt euch nicht die Taschen vollgesteckt und das Land untergehen lassen.“

Dass die USA die Muskeln spielen lassen, sieht man vor Ort vor allem im Luftraum. Seit Tagen fliegen mehr und mehr Tanker und Aufklärungsflugzeuge. Heute Abend wird sich zeigen, ob es zu den Vergeltungsakten für Qasim Suleiman kommt, oder nicht.

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