Rückreise aus dem Risikogebiet

Die vergangenen zwei Wochen verbrachte ich für eine Recherche in Kurdistan-Irak. Aufgrund der anhaltenden Pandemie ist für die Einreise dort ein negativer PCR-Test erforderlich, bei dem die Probenentnahme nicht länger als 48 Stunden zurückliegt. Bei einer Flugzeit von rund fünf Stunden und einer Wartezeit von 24 Stunden aufs Testergebnis ist das eine logistische Meisterleistung, aber machbar. Bereits vor dem Abflug kontrolliert das Bodenpersonal die PCR-Tests. Wer keinen hat, darf die enge Maschine nicht betreten.

Bei der Einreise werden alle gleich behandelt. Auch die Einreise über das Regierungsterminal schützt einen nicht davor. „Sie mögen alle diplomatische Immunität haben, jedoch keine vor Corona, daher bitte einmal alle Tests und die dazugehörigen Pässe, vielen Dank“, sagt der kurdische Beamte bei der Einreise. Im normalen Terminal werden die Einreisenden in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe mit gültigem, negativen PCR-Test und eine ohne. Alle Testergebnisse werden einzeln kontrolliert und als gesehen gestempelt. Einreisende ohne Test werden erfasst und in Quarantäne geschickt. Die Corona-Lage in Kurdistan ist eher schwierig und in diesem Artikel ausführlicher beschrieben.

Kommt man aus einem solchen Risikogebiet zurück nach Deutschland, so ist einiges zu beachten. Der Mitarbeiter des Reisebüros im kurdischen Erbil kennt die Regeln aus dem Kopf. „PCR Test vorher – und dann nochmal nach fünf Tagen, um aus der Quarantäne zu kommen. Aber im BER gibts direkt eine kommerzielle Teststation, warte, gibt mal deine Nummer, ich schicke dir alles per WhatsApp“. Und tatsächlich erhalte ich binnen Sekunden eine WhatsApp-Nachricht mit dem Link zum Testcenter im BER sowie den Hinweis, dass ich mich auf EinreiseAnmeldung.de registrieren muss. Soweit, so gut.

Direkt neben der Zentrale des kurdischen Nachrichtendienstes kann ich meinen PCR-Test machen lassen. Vor der Tür ist ein großer Tisch, auf dem man seine Waffen ablegen kann, bis man wieder raus kommt. Derzeit ist es leer, keine Waffen da. Im Testcenter selbst sind englischsprachige Mitarbeiter, welche die 60.000 IQD (rund 35 Euro) kassieren und die Quittung ausstellen. Mit der Quittung in der Hand geht es zum englischsprachigen Arzt, welcher den Nasenabstrich macht. „Alles klar. Du kannst das Ergebnis morgen abholen, oder wir schicken dir ein PDF“. Nach fünf Minuten ist alles gelaufen. Die Bestätigung erhalte ich in englischer Sprache direkt vom Gesundheitsministerium. Ich frage mich, wie irgendjemand den Wildwuchs an Bescheinigungen, die im Laufe eines Tages an einem internationalen Flughafen vorgezeigt werden, prüfen will. Das praxistauglichste System hat der Flughafen BER, wie ich kurz danach feststellte

Beim Einchecken am Erbil International Airport wird der PCR-Test verlangt. Die Mitarbeiterin vergleicht die Passnummer auf dem Dokument mit der in meinem Pass, weist mich auf EinreiseAnmeldung.de hin, prüft dann ob der Pass auch zu mir passt und lässt mich zur eigentlichen Passkontrolle weiter. Im Flugzeug fülle ich das Formular auf der Website aus und mache einen Screenshot der Website – einfach, weil ich das bei solchen Sachen immer mache. Auf eine Bestätigung meiner Anmeldung per Mail warte ich vergeblich. Auch andere haben das Problem. Ein Mitreisender erklärt allen anderen: „Ja, ihr hättet im letzten Schritt ein PDF runterladen müssen. Es gibt keine Bestätigung oder irgendwas danach. Müsst ihr halt nochmal alles ausfüllen“. Ich frage mich: Hat das mehrfache Ausfüllen irgendwelche negativen Folgen? Egal. Ich habe ja einen Screenshot einer Website auf dem Handy – auch wenn das kein Nachweis für irgendwas ist, kann ich es ja damit versuchen.

Nach der Landung am neuen BER-Flughafen komme ich als Erster aus dem Flugzeug und bin somit als Erster an der Passkontrolle am Automaten. Pass auf den Scanner, kurz ohne Maske vor die Kamera und der formale Teil ist gelaufen. Ein Beamter dahinter fragt, ob ich das Formular zur Einreise ausgefüllt habe. Ich bestätige, mit dem Handy winkend, dass ich es gemacht habe.

Und das wars. Hier endet die Geschichte. Koffer holen, raus, ab nach Hause. Nichts weiter.

Ich hatte erwartet, dass mich jemand nach einem PCR-Testergebnis fragt oder dieses gar sehen will. Oder, dass man mich auf eine Quarantäne hinweist. Oder mir sonst irgendetwas sagt oder mich etwas fragt. Formal ist das alles auf der Website geschehen, die ich im Halbschlaf im Flugzeug durchgeklickt habe: Name, Flugnummer, Anschrift in Deutschland – absenden! Ich bezweifle, dass die Mitreisenden alle verlinkten Hinweise im Detail gelesen und wahrgenommen haben. Ich frage mich, wie sicher dieses System ist. Aber eins ist es: Praxistauglich. Geht schnell, macht keinen Ärger – ist ja nur eine Pandemie.

Die mobile Version verlassen