Was transportiert die Koalition nach Kurdistan?

In den vergangenen Tagen herrscht wieder rege Betriebsamkeit auf dem kürzlich mit Raketen beschossenen US-Luftwaffenstützpunkt im kurdischen Erbil. Permanent sind die Aufklärungsflugzeuge der Amerikaner und Briten in der Luft. Von kleinen Propellermaschinen, wie der MC-12W Huron über die größere Bombardier RO-6A bis hin zur den großen auf Basis der Challenger 6000 und Casa 235. Diese unterstützen die Truppen auf dem Boden, fangen Kommunikation ab und arbeiten mit den MQ-1C Drohnen zusammen, welche ebenfalls ihren Dienst verrichten.

Auch starteten mehr und mehr Hubschrauber. Die militärischen Blackhawk, Chinook, NH90 und Apache sind keine Besonderheit mehr, der kleine Robinson 66 und EC 135 sind seltener zu sehen.

Doch richtig interessant wird es bei den Flugzeugen. Zur Stoßzeit landen mehrere große C-17 Frachtflugzeuge in wenigen Stunden. Die Gerüchteküche brodelte schnell. Was transportieren diese Flugzeuge? Gerade im Kontext des Raketenangriffs vom vergangenen Montag wurden Truppen oder Waffensysteme vermutet. Truppen fliegt man mit der C-17 kaum nach Erbil. Dafür gibts genug Passagiermaschinen. Die Antwort für einen großen Teil der Ladung ist viel trivialer: „Es ist Amazon. Und ein paar Flip-Flops“, erklärt mir die Führung der Operation Inherent Resolve. Gemeint sind die normalen Feldpostlieferungen. Diese stauten sich aufgrund eines Logistikengpasses, der zunächst durch Neuorganisation in Europa gelöst werden musste. Nun wird ein Berg von Post, teilweise von Weihnachten, abgearbeitet. Dabei auch etliche Amazon Pakete und anderes.

In Gegenrichtung fliegen die Flip-Flops, Bademäntel und andere persönliche Gegenstände. Es steht ein Kontingentswechsel an. Nach und nach werden die Taschen der bald Abreisenden ausgeflogen. Auf der Airbase und drum herum sind derzeit rund 2.500 Soldaten stationiert. Sehr wenige, für die Größe dieser Einrichtung. Kaum jemand ist mehr Spezialist für nur eine Sache. Selbst das medizinische Personal hat oft mehrere Qualifikationen. Das war früher nicht so, heute jedoch müssen wenige Soldaten viele verschiedene Aufgaben erledigen.

Auf der Straße erkennt man die Soldaten nicht. Sie tragen keine Uniform, wollen nicht auffallen. Selbst die Generäle tragen zivile Kleidung. Ihre Personenschützer sehen aus, wie die jungen Kurden auf dem Basar. Es gibt dezente Erkennungsmerkmale an der Kleidung, aber nicht mal Ansteck-Pins, wie in Deutschland üblich. Man hat viel aus der Kritik der vergangene Jahre gelernt.

Die Nato möchte ihr Kontingent von 500 auf 4.000 Soldaten aufstocken, die US-geführte Koalition lässt bisher keine Absicht erkennen, Ähnliches zu tun. Man will den Iran im Blick behalten, die Ölfelder in Syrien im Griff haben, aber selbst nicht provozieren und nicht mehr auffallen, als nötig.

Niemand ist sich sicher, ob dieses Vorgehen auf Dauer funktioniert oder ob in den C-17 bald keine Amazonpakete mehr stecken, sondern doch die Waffensysteme.

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