Eindrücke aus Moria: Durch die Linse der Kamera

Björn Kietzmann reist als Fotojournalist immer wieder an Orte, die nicht viele Außenstehende zu sehen bekommen. In seiner Arbeit ist er hauptsächlich auf politische und soziale Themen fokussiert. Zu Beginn diesen Jahres war Kietzmann auf Lesbos im Flüchtlingscamp Moria; für Berlin Story News hat er einige seiner Eindrücke zusammen getragen:

Das Flüchtlingslager Moria wurde für weniger als 3.000 Menschen konzipiert – es ist seit dem Jahr 2015 kontinuierlich überfüllt. Das zu 75% aus EU-Mitteln gebaute Ursprungslager erinnert aufgrund seiner Befestigungen mehr an ein Gefängnis, als an ein Flüchtlingscamp.

Rund um das innere Ursprungslager hat sich das Camp in den letzten Jahren durch selbstgebaute Hütten und Zelte immer weiter ausgedehnt. Das Foto zeigt nur einen Bruchteil der zusätzlichen Camp-Ausdehnung. Mit mehr 20.000 Bewohnerinnen und Bewohnern ist Moria inzwischen nicht nur das größte Flüchtlingslager Europas, sondern auch die mit Abstand zweitgrößte Stadt auf Lesbos. Der immerhin drittgrößten Insel Griechenlands.

Flüchtlinge errichten gemeinsam ein neues Schulgebäude. Moria ist inzwischen quasi eine kleine Stadt aus provisorischen Hütten. Mit verschiedenen Vierteln, Schulgebäuden, Moscheen, Einzelhändlern und Dienstleistern.

In einer kleinen selbstgebauten Hütte betreiben Flüchtlinge aus Afghanistan eine Bäckerei. Rund 500-600 Brote werden hier täglich in einem Erdofen gebacken. Es ist nicht die einzige Bäckerei dieser Art im Moria-Flüchtlingscamp.

Mehrere Brücken verbinden das ”offizielle” Ursprungscamp und das ”inoffizielle” Lager drum herum. Das war in den letzten Jahren nicht immer so – teilweise war das offizielle Lager ein geschlossenes Camp. Flüchtlinge, die in die Türkei abgeschoben wurden, waren hier zuvor eingesperrt.

Blick auf das offizielle – also ursprüngliche – Moria-Flüchtlingscamp.

Ein Mädchen sammelt Blumen – im Hintergrund türmen sich Müllberge. Es ist schwer, etwas Schönes zu finden, zwischen der Enge und dem Leid. Viele hier verbanden mit der Flucht nach Europa Hoffnung – nun sitzen sie unter prekärsten Bedingungen auf der griechischen Insel fest.

Auf einer Wäscheleine trocknen Kinderschuhe. Es leben viele Familien in Moria. Die meisten Debatten in Deutschland die sich mit dem Thema ‚Kinder in griechischen Flüchtlingslagern‘ beschäftigen, drehen sich allerdings meist nur um unbegleitete Kinder/Jugendliche. Auch Kinder in Begleitung ihrer Eltern sind dem harten Alltag in Moria ausgeliefert.

Kinder spielen auf einer Schaukel. In dem ursprünglich für bis zu 3.000 Menschen ausgelegten Lager leben inzwischen mehr als 20.000 Menschen.

Einige afghanische Flüchtlinge machen ein Lagerfeuer gegen die nächtliche Kälte. Das für solche Feuer aus Mangel an Alternativen auch umliegende Olivenbäume gefällt werden, verschärft die Spannungen zu Inselbewohnern.

Friedhof für auf der Flucht gestorbene Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos in Kato Tritos:
Auf der Flucht über das Ägäische Meer nach Lesbos sterben nach wie vor Menschen. Nachdem der Armenfriedhof der Insel überfüllt war, wurde vor ein paar Jahren ein Friedhof für Flüchtlinge angelegt. Auf dem Gelände finden nach immer noch Beisetzungen statt – doch die Gräber der letzten Jahre sind inzwischen überwuchert und die Grabsteine teilweise bis zur Unkenntlichkeit verblichen.

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