• 21. Oktober 2020 20:21

Der Kalte Krieg als Serie

Sep 28, 2020

In der Serie Deutschland 83/86/89 wird der Ost-West-Konflikt für Serienfans und Einsteiger erzählt. Den Spagat zwischen Entertainment und Geschichte ist eigentlich nicht zu schaffen, gelingt dafür aber passabel.

Der Kalte Krieg füllt mehrere Bibliotheken. Und Vieles wird der normale Mensch nie erfahren. Selbst die Agenten kannten nur einen Teil der jeweiligen Geschichte. Sollte man versuchen so ein Thema jemandem zu vermitteln, der sich bisher nicht im Detail dafür interessiert hat? Man könnte argumentieren, dass sich diese Leute doch einfach die Dokumentationen ansehen und die Bücher lesen sollten. Man könnte auch argumentieren, dass man allen Bildung auf ihrem gewünschten Weg vermitteln sollte. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. 

Deutschland 83 – Able Archer

Die Serie besteht bisher aus drei Staffeln. Die erste Staffel stellt die Charaktere vor, anhand derer die Geschichte erzählt wird. Apparatschiks, Stasi, normale Bürgerinnen und Bürger und deren Verbindungen zu Geheimdiensten. Im Zentrum steht die NATO-Übung Able Archer. Um die Rahmenhandlung herum wird eine Menge zum Leben im Osten und dem Überwachungsstaat vermittelt. Schwierig ist dabei die Darstellung der Stasi. Diese wird immer wieder als inkompetent und unwissend dargestellt, gerade im Umgang mit westlicher Technik. 

Deutschland 86 – Waffenhandel mit dem Apartheidsregime 

Die Zweite Staffel spielt 1986 und spielt größtenteils in Südafrika und Angola. Die DDR ist fast pleite, man braucht harte Devisen. So lässt sich die DDR auf Waffengeschäfte ein, bei denen sie Waffen vom „Klassenfeind“ im Westen an das Apartheidsregime in Südafrika verkauft. Auch hier müssen relativ wenige Akteure die komplexe Geschichte erzählen. Parallel wird erzählt, wie die DDR seine Bevölkerung an Pharmastudien des Westens teilnehmen liessen. 

Damit die Akteure der ersten Staffel rein passen, sind ein paar größere Bögen notwendig, aber es funktioniert noch. Die komplizierte Geschichte wird langsam aufgebaut, die Akteure und ihre Positionen werden gut erklärt, am Ende versteht man auch als Unwissender das komplizierte Konstrukt.

Deutschland 89 – Die DDR zerbricht

In der aktuellen Staffel geht es um die zerbrechende DDR, den Mauerfall und die Situation, in der sich die Geheimdienste wiederfinden. Die Geheimdienste der Warschauer Vertragsstaaten zerbrechen, wichtige Leute setzen sich ab, andere biedern sich bei den westlichen Diensten an. Auf der Straße wirbt Kohl für die CDU, die ersten freien Wahlen in der DDR stehen an.  

Und hier kommt das Problem einer Serie mit begrenztem Platz für komplexe Geschichten besonders zum Tragen. So wird das bis heute nicht aufgeklärte Attentat auf den Manager der Deutschen Bank Alfred Herrenhausen den Ost-Geheimdiensten zugerechnet. Alleine die Informationen zu diesem Attentat füllen heute ganze Räume. Aber es ist ein Nebenschauplatz der Serie, es ist natürlich kein Platz für alle Details und Theorien. Sieht man das ganze lediglich als eine Serie, so ist das kein Problem. Kennt man aber nur die Serie, so bekommt man ein sehr eingeschränktes Bild vermittelt.  

Um die Geschichte weiterhin mit allen bekannten Akteuren zu erzählen, sind immer weitere erzählerische Spagate notwendig. Dies hilft dem Zuschauer sicherlich, ist aber ansonsten nicht hilfreich. Es werden weiter neue Charaktere eingeführt, um noch weitere Erzählsprünge zu bedienen. Das funktioniert so gut und langsam, wie schon in den vorangegangenen Staffeln

Klappt es?

Man kann sagen, dass das Ganze als Serie gut funktioniert. Große Fehler in der Erzählung gibt es nicht. Die Balance zwischen der Weltpolitik und persönlichen Schicksalen wird gut gehalten. Technisch ist die Serie gelungen.

Jedoch erzählt sie zwangsläufig nur einen kleinen Ausschnitt der Geschichte und bei den nicht aufgeklärten Dingen nur eine Variante. Somit gelingt es nicht wirklich, hier den Ost-West Konflikt sinnvoll zu erklären. Aber es bietet denen, die ihn vorher nicht kannten, einen guten Einstieg. 

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