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Weihnachten in Kurdistan-Irak

Weihnachtsbaum in Erbil / Foto: Rudaw

Auch in der Autonomen Region Kurdistan im Norden des Irak werden die bei uns so bekannten und beliebten Feste gefeiert. Auf der Zeitachse der Region sind die Christen eine eher neue Erscheinung. Die Zitadelle im Stadtzentrum der Hauptstadt Erbil ist mehr als 6.000 Jahre durchgehend bewohnt. In der Region gibt es noch viele Jesiden und Zoroastrier. Beide Religionen gelten als „älter, als die Zeit selbst,“ da sie existierten, bevor es Kalender gab. Doch Christen gibt es hier seit Jahrhunderten – auch wenn es Bibeln auf Kurdisch erst seit 150 Jahren gibt. Die meisten Einwohner der Region kennen alle wichtigen Feste aller größeren Religionen hier. Der große Erfolg des Weihnachtsfestes dürfte aber auch auf den Einfluss der westlichen Filme und Serien zurückzuführen sein, welche hier genau so beliebt sind, wie im Rest der Welt.

Laut Caritas lebten vor 2003 etwa 150.000 Christen in der Region Kurdistan. Seit dem Krieg mit dem Islamischen Staat (ISIS) sind 250.000 weitere Christen in die offene und sichere Region geflohen. Diese teilen sich auf mindestens 14 christliche Glaubensrichtungen auf. Neben den bereits erwähnten Religionen leben in der Region aber auch unter anderem sunnitische und schiitische Moslems, Mandel, Kaka’i (Yaresan), Aleviten, Schabakisten und Juden friedlich zusammen. Daher ist es normal, dass alle Religionen ihre Feiern öffentlich begehen können.

Family Mall in Sulaimaniyya

Die Malls, öffentlichen Plätze und viele Häuser der christlichen Viertel sind mit Weihnachtsdekoration, Tannenbäumen und Bergen von Geschenken dekoriert.

Corona hat die Autonome Region Kurdistan wesentlich schlimmer erwischt, als Deutschland. Es gab mehrere Monate einen kompletten Lockdown, inklusive der Schließung aller Grenzen und einem Ausgangsverbot. Daher müssen sich die Christen hier weit mehr einschränken, als bei uns. 

Die Gemeinden haben Vorkehrungen getroffen, um den Gläubigen einen sicheren Gottesdienst zu ermöglichen. Die Zahl der Besucherinnen und Besucher wird beschränkt, der Mindestabstand soll eingehalten werden. „Zuerst kommt die Gesundheit, dann das Gebet. Davon bin ich überzeugt,“ erklärt der Erzbischof der akkadischen Kirche, Bashar Mati, in einem Interview.

„Wir werden halt Zoomen [Videokonferenz], die Großeltern anrufen und einfach im Frühling mit allen draussen feiern,“ erklärt Gabriel, ein Mitglied der christlichen Kirche Kurdên Xirîstiyan. „Aber es geht uns um den Glauben, um die Gedanken und darum, für einander da zu sein. Das kann man auch, wenn man nicht nebeneinander sitzt.“ 

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