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Wird die PKK aus Kurdistan (Irak) rausgeworfen?

Das Verhältnis zwischen den verschiedenen kurdischen Gruppen ist seit langem kompliziert und vielschichtig. Stark vereinfacht könnte man sagen, dass eine Grenze zwischen den eher kapitalistisch-demokratischen Kurden im Norden des Irak sowie den sozialistischen in der Türkei und in Syrien verläuft. Im Detail ist es jedoch wesentlich komplizierter. Aber genau an dieser Grenze entstehen oft die größten Konflikte. Den eher sozialistisch orientierten Gruppen wie der YPG (Syrien) und PKK (Türkei) wird von deren politischen Gegnern vorgehalten, sie würden freie Wahlen, Parteien und die Pressefreiheit unterdrücken. Der kurdischen Regionalregierung (KRG, im Norden des Irak) wird von ihren politischen Gegnern vorgehalten, unter dem Deckmantel der Demokratie ein korruptes und patriarchisches Clan-System zu sein. Die Argumentation erinnert dabei sehr an das, was die BRD der DDR vorhielt und umgekehrt.

Die Autonome Region Kurdistan im Norden des Irak hat sich seit dem Irakkrieg 2003 gut entwickelt. Es finden gleiche, freie und geheime Wahlen statt, es gibt Pressefreiheit und eine freie Marktwirtschaft. Das System orientiert sich am Westen. Selbst während des Kampfes gegen den IS bleib der Kern der Region friedlich, gekämpft wurde nur an den dünn besiedelten Grenzen Richtung Rest-Irak und Syrien. Die Kurden in Syrien hatte es länger und schlimmer erwischt und mussten mit weniger Hilfe aus anderen Ländern auskommen – Kurz: Das Leid dort war und ist größer. Während  die Kurden in der Türkei weitgehend vom IS verschont wurden, müssen sie unter den Attacken der Erdogan-Regierung leiden. Die iranischen Kurden leiden unter dem dortigen Regime und werden vor Ort regelmäßig öffentlich ermordet. 

Die türkische Armee hat seit 2014 die kurdisch-irakischen Armee, die Peschmerga, ausgebildet und mit Waffen und Munition versorgt. Das Handelsvolumen zwischen den irakischen Kurden und der Türkei betrug 2019 rund 6 Milliarden Euro. Auch diese Zweckgemeinschaft sorgt für Probleme mit den kurdischen Gruppen in der Türkei, welche sich Gefechte mit genau dieser türkischen Armee liefern. 

Immer wieder ziehen sich daher kurdische Kämpfer aus Syrien, der Türkei und dem Iran in die Autonome Region Kurdistan zurück. Die unausgesprochene Abmachung umfasste bisher, dass dies geduldet wird, solange von dort aus keine Angriffe geplant oder gar ausgeführt werden und sich die Personen nicht politisch engagieren. Zogen sich aktive Kämpfer über die Grenze zurück, so wurden die von der Türkei und dem Iran auch auf irakische Staatsgebiet verfolgt. Dies ging bis hin zu iranischen Artillerieangriffen sowie türkischen Luftangriffen. 

Doch gerade in den vergangenen Wochen engagieren sich PKK-nahe Gruppen und Politiker mehr und mehr in der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak – vor allem gegen die dortige Regierung. Es gab Demonstrationen, die immer wieder in Gewalt enden. Mehrere Gebäude der Regierungsparteien wurden in Brand gesteckt. Es stand lange die Frage im Raum, wie die Regierung damit umgehen wird. 

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter teilte der Politiker Ranj Talabany (PUK, Regierungspartei) mit: „Einige Gäste haben ihren Aufenthalt in Sulaimaniyya [Großstadt in der Region] deutlich überzogen. Weiteres werde in den kommenden Tagen und Wochen bekannt gegeben. Diejenigen, denen ein Zimmer gegeben wurde, um in Ruhe zu leben, führten sich irgendwann wie der Herr des Hauses auf. Wie das Sprichwort sagt: Reichst du Ihnen die kleinen Finger, so wollen Sie die ganze Hand.“

https://twitter.com/ranj_talabany/status/1336758667287343112?s=20

Es wird als sehr wahrscheinlich angesehen, dass er sich dabei auf die PKK bezieht. In vielen kleineren Operationen wurde bereits gegen einzelne PKK-nahe Personen in Sulaimaniyya vorgegangen. Nun wird eine große Operation erwartet.

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