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Chaos und Feldbetten am BER

Am Sonntagabend um 20:19 Uhr trudelte in der Redaktion die Meldung ein, dass sich jetzt gerade die Einreisebestimmungen für Fluggäste aus Großbritannien geändert haben sollen – obwohl sie ab 0 Uhr eh nicht mehr landen dürfen. Keine Agenturmeldung dazu, die Bundespolizei hatte noch keine Anordnung, nichts auf Social Media dazu. Zeit zum Flughafen BER zu fahren und selber zu sehen, wie die Lage ist.

Vor Ort gab es noch einen Flug aus Manchester, welcher sich im Anflug befand. Dieser sollte im BER Terminal 5 landen, bis vor wenigen Wochen bekannt als Flughafen Berlin Schönefeld. Die Sicherheitskräfte dort wussten von nichts, die Bundespolizei wusste von nichts, die Wartenden wussten von nichts, die Leute im Flugzeug, zu denen wir Kontakt hatten, wussten von nichts. Also doch nur eine Falschmeldung?

Um 22.25 sollte der Ryanairflug FR 1155 landen. Nach und nach verliessen einzelne Fluggäste die Gepäckausgabe. Vielleicht zehn. Viel zu wenig für die Maschine. Die Reisenden berichteten, sie seien in drei Gruppen eingeteilt worden: Deutsche Staatsbürger, Personen mit negativem Corona-Test (weniger als 72h alt) sowie allen anderen. Die Deutschen Staatsbürger mit negativem Test konnten einreisen, alle anderen mussten im Bus auf dem Vorfeld warten. Mehr Informationen gab es erstmal nicht. Und es gab weiterhin keine Informationen an die Wartenden vor dem Terminal. Von anderen Flughäfen in Deutschland wurde ähnlich Chaotisches berichtet.

Auch eine Stunde nach der Landung des Fluges aus Manchester gab es keine Informationen seitens des Flughafens. Wir begannen, den Wartenden unsere Informationen zu geben. Nach und nach erkundigten sich immer mehr bei uns, da es keine andere Quelle gab. Wir standen im Kontakt mit Kollegen in anderen Städten und hatten ein Auge auf die Social Media Kanäle. Mehr als eine Stunde nach der Landung hieß es aus Kreisen der Bundespolizei: Alle Reisenden würden am Morgen per Flugzeug zurück nach Großbritannien geschickt. 

An die Einreisenden wurden durch die Bundespolizei Zettel verteilt (nur auf deutsch), welche im Kern sagten, dass man nicht einreisen dürfe. Diesen Zettel sollten die Reisenden unterschreiben, was viele nicht taten. Deutsche Reisende, welche den Transit verlassen konnten, berichteten von einer aufgeheizten Stimmung und von ersten Rangeleien.

Die Wartenden vor dem Terminal hatten bis zu diesem Zeitpunkt immer noch keine offizielle Information erhalten.

Kurz darauf teilte die Bundespolizei auf Rückfrage am Telefon mit, alle Reisenden müssten im Terminal 1 des Flughafens BER übernachten und würden am Morgen zurück nach Großbritannien geflogen. Kurz darauf verließ ein ukrainischer Erasmus-Student, welcher derzeit in Deutschland lebt, den Transit. Er berichtete, dass alle Ausländer mit einem Wohnsitz in Deutschland einreisen dürften. Es folgen ein Niederländer und ein Brite, welcher die Einreise mit den Worten „Fucking Merry Christmas Germany!“ (verfickte frohe Weihnachten, Deutschland) kommentierte.

Zwei Stunden nach der Landung teilt die Bundespolizei mit, dass nun alle Reisenden getestet würden und dann doch einreisen dürften. Die Frage, ob es diese Aussage auch schriftlich oder vor der Kamera gäbe wurde verneint. Die Wartenden vor dem Terminal hatten bis zu diesem Zeitpunkt immer noch keine Information erhalten. Die Bundespolizei versprach sich umgehend darum zu kümmern. 

Die Bundespolizei teilt später am Telefon mit, auch keine Ahnung zu haben, was das genau vorgehen ist und versprach zurückzurufen. Das tat sie nicht. Bei einem erneuten Anruf dort hiess es: Es gäbe immer noch keine klare Anweisung. Später heißt es: Im Terminal 1 würden Feldbetten aufgebaut. Die Feuerwehr kümmere sich um die Reisenden. Alle müssten einen Corona-Test machen, doch das Testzentrum habe geschlossen. Daher müssten alle Reisenden vor Ort auf Feldbetten übernachten und morgen (Montag) früh einen Corona-Test machen. Bei negativem Ergebnis könnten sie im laufe des Tages (Montag) einreisen. Es solle auch „sofort“ jemand kommen, der alle Wartenden informiert.

Inzwischen war es 0:30 Uhr am Montag Morgen. Die Bundespolizisten verließen mit dem Einreisestempel in der Hand das Terminal. Ende. Feierabend.

Die Wartenden draussen hatten immer noch keine offizielle Information erhalten. Die Reisenden aus Terminal 1 berichteten, dass es nichts zu Essen gäbe und sie die Automaten gefunden hätten. 

Für uns endete der Abend hier vorerst – nach einigen Stunden im Nieselregen vor dem Terminal 5 des Flughafen BER. Der Vorhang zu und alle Fragen offen. 

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