bsnDemonstrationen

Und täglich grüsst …’ne Demo

Inzwischen gibt es in Berlin täglich Demonstrationen aus der Reichsbürger/Anti-Corona/Querdenker-Szene. Die Zusammensetzung und die Forderungen variieren, aber es gibt eine große Schnittmenge zwischen den Teilnehmern.

Derzeit ist die Siegessäule ein beliebter Veranstaltungsort. Mitten im Tiergarten, umgeben von Touristen und Berlinerinnen und Berlinern auf dem Heimweg fanden sich am Dienstagabend rund 200 Personen zusammen. Wie oft bei diesen Veranstaltungen, blieben die großen Ereignisse aus. Die anwesenden Journalisten jagten den wenigen guten Bildern hinterher. „Die Frau von Supermann wurde wohl beleidigt, die Polizei nimmt gerade eine Anzeige auf“ – Supermann ist in diesem Fall ein Demoteilnehmer in einem ebensolchen Kostüm. Ein Stück weiter gibt es wenige Sekunden lang einen Tumult, weil einem Teilnehmer von der Polizei ein Attest abgenommen worden sein soll, welches für eine Fälschung gehalten wird. 

Auf der Veranstaltung gibt es permanent Redebeiträge von einer Mauer aus, etliche eigene Kameras und Handys streamen permanent. Zwischendurch filmen sich Teilnehmer, wie sie der Polizei Fragen stellen, wie: „Meinen Sie, das hier ist noch eine Demokratie?“ Mittendrin steht ein Team der Welt/Sat.1/Pro7-Gruppe. Die Journalistin führt Interviews und wird auch selber von den Teilnehmern gefilmt. Auch, wenn die Kameras aus sind, unterhält sie sich mit den Umstehenden. Routiniert und professionell weicht sie den Fragen zur persönlichen Meinung aus, während sie immer wieder eigene Fragen platziert. Anstrengend, aber am Ende lohnenswert, wenn einen die Gedanken des Gegenüber interessieren.

Zu dem üblichen Spielen auf solchen Veranstaltungen gehört für die Teilnehmer auch das Fotografieren der Journalisten – „damit wir dich später an die Wand stellen können“ erklärt mir mein Gegenüber. Es ist eine Wand vorhanden und wir sind beide da. Warum mich die Person also nicht hier exekutiert, ist mir unklar. Zum anderen wurde ich bereits mehrmals im Leben beschossen. Meine Erfahrung sagt mir, dass das nicht vorher angekündigt wird.

Aber es gehört inzwischen zum guten Ton der anderen Seite. Auch, wenn man aus 50 Metern Entfernung mit einem Handy fotografiert wird. Die Polizei ist inzwischen dazu übergegangen auch in solchen Fällen auf die Journalisten zu achten und bot Hilfe an. In meinem Fall nicht nötig, aber es zeigt, wie auch hier sensibler gearbeitet wird.

Der Abend endet, wie so viele in den vergangenen Tagen: Der letzte Redebeitrag ist gesprochen, alle packen ein, Journalisten verabschieden sich von der Polizei: „Bis morgen dann!“ 

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