bsnDemonstrationenRechtsextremismus

Rechte Szene mobilisiert für den 20. März

Bereits am 29. August 2020 wollte eine Koalition aus Neonazis, Holocaustleugnern, Coronaleugnern und „Querdenkern“ den Deutschen Bundestag stürmen. Wochenlang hatten sie unbehelligt vor dem Bundestag gezeltet und in ihren Chats zur Ermordung von Merkel, der Presse, sowie Juden aufgerufen und angekündigt, den Bundestag zu stürmen. Ihre „Zeltstadt“, welche die Pressestelle der Polizei als illegal bezeichnete, wurde von der Polizei gegen linke Demonstranten geschützt. Als die rechten Demonstranten schließlich versuchten den Bundestag über die Reichstagstreppe zu stürmen, schien die Polizei überrascht. Noch überraschender, dass der Eingang zum Parlamentsgebäude von nur drei Polizisten gehalten werden konnte. Innerhalb der rechten Szene war man mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Nachdem das US-Kapitol am 6. Januar 2021 von bewaffneten Kräften gestürmt wurde und es zu Schießereien und Toten kam, möchte man auch in Deutschland einen neuen Versuch wagen.

Bei vergangenen Demonstrationen sollten die Teilnehmer ihre Kinder mitbringen und einen roten Luftballon in der Hand halten. So konnten andere Teilnehmer die Position von Kindern in der Menge erkennen. Die Kinder sollen als menschliche Schutzschilde dienen, sobald die Polizei Pfefferspray oder Wasserwerfer einsetzen wollte. Dass diese Taktik aufging, zeigte sich in Berlin regelmäßig. Das Vorgehen der Polizei gegen rechte Demonstrationen ist zaghaft. Als einmal Wasserwerfer eingesetzt wurden, durften diese die Demonstration nur von oben berieseln – ohne Reizgas. Diese Taktik der Rechten nennen sie das „Dresdener Modell“, benannt nach den Nazis, welche 1945 mit ihren Kindern in Leipzig und Dresden blieben, obwohl Luftangriffe auf Großstädte seit Jahren normal waren. Die Idee war, sich später besser als Opfer der „Kindermörder“ inszenieren zu können. Das funktionier nur, solange man den Holocaust im eigenen Denken komplett ausblendet – ist aber bis heute ein wichtiges Narrativ der Szene.

Um so überraschender, dass es in aktuellen Aufrufen heisst: „Wir bitten Kinder, Tiere und Schwangere zu Hause zu lassen.“ Mehr als zwanzig rechte Gruppen rufen derzeit zur Sternfahrt am 20. März 2021 auf. Ein Busunternehmen aus Plauen soll die Anfahrt teilweise koordinieren. Auf der Homepage des Unternehmens wird die Reise nach Berlin für 35€ angeboten.

Zu den Forderungen, welche derzeit in den einschlägigen Chats diskutiert werden, gehören die Klassiker der Szene. So zum Beispiel eine Forderung nach einem Ende des Zweiten Weltkrieges. In den Augen dieser Menschen war Hitler ein Linker, welcher zusammen mit Juden Vernichtungslager für die sogenannten Arisch-Deutschen gebaut habe. Der Zweite Weltkrieg sei nie beendet worden, sondern fände im Geheimen weiter statt. Daher soll es Kundgebungen vor der amerikanischen und der russischen Botschaft geben. Eine weitere Forderung ist die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland. Sobald der Zweite Weltkrieg beendet worden sei, sollen die Besatzungstruppen abziehen. Damit sind geheime Armeen gemeint, welche bisher Deutschland regieren sollen.

Zu guter Letzt sollen Personen wie der Virologe Christian Drosten, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Journalist Georg Restle wahlweise in Vernichtungslager verfrachtet oder direkt vor Ort vom „Volksgerichthof“ gehangen werden. Bei vergangenen Veranstaltungen wurden die Galgen direkt mitgebracht. Alle diese Personen führen in den Augen der Rechten das Nazi-Regime fort, welches aus ihrer Sicht ein linkes, sozialistisches System gewesen sein soll. Daher seien alle Formen von Rechten, bis hin zu Neonazis, als „Rebellen“ zu betrachten, welche das Land von der „Merkel-Diktatur“ befreien müssen.

All das mag bizarr und teilweise lächerlich wirken, ist aber deren Ernst. Schon bei vorangegangenen Demonstration wurden verschiedene Waffen und auch Schusswaffen gefunden. Im Vergangenen Jahr ließ man diese Gruppierungen wiederholt ohne Masken und zu Tausenden durch Berlin ziehen oder wochenlang vor dem Bundestag zelten. Sie haben sich daran gewöhnt, dass ihr Handeln keine Konsequenzen hat. Auch das spielt in ihr Narrativ, der Staat sei schwach und man könne die Regierung daher mit einfachen Mitteln stürzen.

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"